
Ein Pflegekraft öffnet seine Netsoins-Sitzung auf dem Tablet des Pflegewagens, konsultiert die Akte eines Bewohners und vergisst dann, den Bildschirm zu sperren, bevor er ins Zimmer geht. In EHPADs kommt so eine Situation mehrmals am Tag vor.
Die RGPD-Konformität von Netsoins Domusvi hängt nicht nur von den Einstellungen der Software ab: Sie zeigt sich im täglichen Handeln der Teams, in der Netzwerkkonfiguration der Einrichtung und in der Dokumentation, die niemand gerne erstellen möchte.
Starke Authentifizierung auf Netsoins: Was vor Ort wirklich blockiert
Netsoins kann mit Pro Santé Connect und der CPS-Karte gekoppelt werden, um eine starke Authentifizierung einzurichten. Auf dem Papier ist dies die Empfehlung der CNIL für großangelegte Gesundheitsdatenbanken. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Umsetzung oft an technischen Details scheitert.
Die CPS-Kartenlesegeräte sind nicht immer an jedem Arbeitsplatz verfügbar. Die Pflegehelfer, die keine CPS-Karte haben, müssen auf eine herkömmliche Identifikation zurückgreifen. Und wenn die WLAN-Verbindung der Einrichtung instabil ist, schlägt die Überprüfung über Pro Santé Connect fehl oder verzögert die Aufnahme.
Damit die starke Authentifizierung im Alltag funktioniert, wird empfohlen, die Kombination aus CPS-Leser und WLAN Arbeitsplatz für Arbeitsplatz zu testen, bevor eine umfassende Einführung erfolgt. Wenn die Infrastruktur nicht mithält, ist es besser, zunächst die individuellen Passwörter zu sichern (regelmäßige Erneuerung, mindestens acht Zeichen mit Zahlen und Sonderzeichen) und inaktive Sitzungen nach wenigen Minuten zu sperren. Die Idee ist, schrittweise vorzugehen, anstatt ein System einzuführen, das die Teams umgehen werden.
Um besser zu verstehen, wie Netsoins Domusvi sicher zu nutzen ist, muss man zunächst akzeptieren, dass technische Sicherheit nichts wert ist, ohne die Zustimmung vor Ort.

RGPD-Folgenabschätzung: Das Dokument, das jede EHPAD erstellen muss
Ein EHPAD, das Netsoins nutzt, verarbeitet großangelegte Gesundheitsdaten. Artikel 35 der RGPD macht die Folgenabschätzung zur Datenverarbeitung (AIPD) praktisch obligatorisch. Die CNIL bestätigt dies in ihren Empfehlungen für den medico-sozialen Sektor.
Diese Analyse ist kein Formular, das einmal ausgefüllt und in einer Schublade verstaut wird. Sie muss bei jeder wesentlichen Änderung des Systems aktualisiert werden: Hinzufügen eines Telemedizinmoduls, Schnittstelle mit einem neuen Tool, Umstellung auf Mobilität auf Tablet oder sogar Integration eines KI-Komponenten.
Was die AIPD konkret abdecken muss
- Die genaue Beschreibung der in Netsoins durchgeführten Behandlungen (digitalisierte Benutzerakte, gezielte Übertragungen, Verschreibungen, Abrechnung über Netfactu) und die betroffenen Datenkategorien.
- Die Identifizierung der Risiken für die Bewohner: unbefugter Zugriff, Datenverlust, versehentliche Offenlegung während einer ARS-Prüfung oder einer Übertragung an einen externen Fachmann.
- Die bereits implementierten technischen und organisatorischen Maßnahmen (HDS-Hosting, Protokollierung der Zugriffe, differenzierte Berechtigungen nach Profil) und die Maßnahmen, die noch umgesetzt werden müssen.
- Der getestete Notfallplan, der von der HDS-Zertifizierung des Anbieters gefordert wird, mit dem Nachweis der HDS-Zertifikatsnummer, die im Konformitätsdossier aufbewahrt werden muss.
Die Rückmeldungen zu diesem Punkt variieren, aber in den meisten Einrichtungen trägt der IDEC oder der Direktor dieses Dokument, mangels eines dedizierten DPO. Eine jährliche Überprüfung ist das Minimum.
Berechtigungen und Protokollierung in Netsoins: Einstellungen nach Berufsprofilen
Netsoins funktioniert mit differenzierten Berechtigungen nach Benutzerprofil. Ein koordinierender Arzt hat nicht die gleichen Rechte wie eine Pflegehelferin oder ein Verwaltungsangestellter. Das Problem ist, dass diese Profile oft bei der Erstinstallation konfiguriert und dann nie überarbeitet werden.
Der RGPD verlangt jedoch ein Minimierungsprinzip: Jeder Fachmann darf nur auf die Daten zugreifen, die für seine Aufgabe unbedingt erforderlich sind. Ein Empfangsmitarbeiter muss die gezielten Übertragungen nicht lesen. Ein externer Berater in der Telekonsultation sollte nur die Akte des betreffenden Bewohners während der Konsultation sehen.
Konkrete Maßnahmen zur Regelung der Zugriffsrechte
Man beginnt damit, die Liste der aktiven Konten zu exportieren und mit der Liste des aktuellen Personals zu vergleichen. Die Konten von ausgeschiedenen Mitarbeitern müssen innerhalb von 48 Stunden nach dem Ausscheiden deaktiviert werden. Das ist eine klassische Schwachstelle, die bei ARS-Audits systematisch festgestellt wird.
Danach wird überprüft, ob die Protokollierung aktiv und nutzbar ist. Netsoins speichert eine vollständige Historie der Aktionen (Konsultationen, Änderungen, Exporte). Diese Historie dient als Nachweis im Falle einer CNIL-Kontrolle oder einer Beschwerde eines Bewohners, der sein Zugriffsrecht ausübt. Es muss sichergestellt werden, dass die Protokolle über einen Zeitraum aufbewahrt werden, der mit der Aufbewahrungspolitik der Einrichtung übereinstimmt.

Sicherheit in der Mobilität: Tablets und Fernzugriffe auf D.netsoins
Der mobile Zugriff über D.netsoins oder einen Browser auf dem Tablet erleichtert die Überwachung am Bett des Bewohners. Aber die Mobilität vervielfacht die Schwachstellen, und die Schutzmaßnahmen werden selten einheitlich angewendet.
Das WLAN der Einrichtung muss zwischen dem Pflege-Netzwerk und dem Besucher-Netzwerk segmentiert werden. Wenn beide dasselbe Zugangspunkt ohne Trennung teilen, kann ein Besucherterminal theoretisch Datenströme abfangen. Der auf dem Tablet verwendete Browser muss auf dem neuesten Stand gehalten werden, was eine von der DSI oder dem IT-Dienstleister verwaltete automatische Aktualisierungspolitik voraussetzt.
Die automatische Sitzungs-Sperrung ist die einfachste und am meisten vernachlässigte Maßnahme. Netsoins meldet sich nach einer Inaktivitätsperiode automatisch ab, aber diese Dauer muss auf das kürzestmögliche Maß eingestellt werden, das mit der Nutzung vor Ort kompatibel ist. Viele Einrichtungen lassen die Standardeinstellung, ohne sie jemals anzupassen.
Jedes Tablet, das mobil verwendet wird, sollte auch verschlüsselt und durch einen spezifischen Entsperrcode geschützt sein, der sich vom Netsoins-Passwort unterscheidet. Im Falle von Diebstahl oder Verlust verhindert die Verschlüsselung das Extrahieren der zwischengespeicherten Daten.
Die RGPD-Konformität eines EHPAD, das Netsoins Domusvi verwendet, beruht weniger auf der Software selbst als auf drei operationale Säulen: regelmäßig überprüfte Berechtigungen, eine aktualisierte AIPD und geregelte Mobilitätspraktiken. Die Software bietet die technischen Werkzeuge (Protokollierung, Profile, HDS-Hosting), aber es ist die interne Organisation, die diese Werkzeuge in echte Garantien für die Bewohner umwandelt.